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<title>Semeiskije</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Semeiskije</span></h1>
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<p>Die <b>Semeiskije</b> (<span style="font-style:normal;font-weight:normal"><a href="Russische_Sprache" title="Russische Sprache">russisch</a></span> <span lang="ru-Cyrl" class="Cyrl" style="font-style:normal">Семейские</span>; übersetzt etwa „die Familiären“ oder „die im Familienverbund lebenden“, von russisch <span lang="ru-Cyrl" class="Cyrl">семья</span>, <i>semja</i> für ‚Familie‘) sind eine Glaubensgemeinschaft von sogenannten <a href="Bespopowzy" class="mw-redirect" title="Bespopowzy">Priesterlosen Altgläubigen</a> in <a href="Daurien" title="Daurien">Transbaikalien</a>, deren Vorfahren im 17. Jahrhundert die liturgischen Reformen des <a href="Nikon_(Patriarch)" title="Nikon (Patriarch)">Patriarchen Nikon</a> nicht angenommen hatten, und daraufhin nach <a href="Sibirien" title="Sibirien">Sibirien</a> verbannt worden waren. Ihre alltägliche und geistliche Kultur wurde 2001 von der <a href="UNESCO" title="UNESCO">UNESCO</a> unter der Bezeichnung „Der Kulturraum und die mündliche Kultur der Semeiskije“ in das das <a href="UNESCO-Welterbe" title="UNESCO-Welterbe">UNESCO-Welterbe</a> ergänzende Programm „Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit“ aufgenommen.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Geschichte_und_Kulturraum">Geschichte und Kulturraum</h2></div>

<p>Nach der Anerkennung der Trennung der <a href="Russisch-Orthodoxe_Kirche" title="Russisch-Orthodoxe Kirche">Russischen Kirche</a> von der Byzantinischen orthodoxen Kirche durch den <a href="%C3%96kumenisches_Patriarchat_von_Konstantinopel" title="Ökumenisches Patriarchat von Konstantinopel">Patriarchen von Konstantinopel</a> im Jahr 1589, begannen 1653 Zar <a href="Alexei_I._(Russland)" title="Alexei I. (Russland)">Alexei Michailowitsch</a> und der Erzbischof von <a href="Weliki_Nowgorod" title="Weliki Nowgorod">Nowgorod</a>, Patriarch Nikon eine <a href="Kirchenreform" title="Kirchenreform">Kirchenreform</a> durchzusetzen, deren Hauptanliegen eine Korrektur der <a href="Liturgie" title="Liturgie">Liturgie</a> war. Obwohl nur formelle rituelle Änderungen vorgenommen werden sollten, entstand eine breite Opposition sowohl unter den Geistlichen als auch unter den Gläubigen, die zur Spaltung der Russischen Kirche führte. Die Gläubigen, die die Reformen ablehnten, wurden Altgläubige (oder <i>Raskolniki,</i> von raskol/раско́л „Kirchenspaltung“) genannt. Die Auswanderung und Verbannung der sogenannten „Raskolniki“ nach Sibirien führte dazu, dass die Altgläubigen schließlich zehn Prozent der Bevölkerung Westsibiriens ausmachten. Dort führten sie meist ein zurückgezogenes Einsiedlerleben.
</p>

<p>Eine kleine Gruppe Altgläubiger, die heute in <a href="Burjatien" title="Burjatien">Südburjatien</a>, in den <a href="Rajon" title="Rajon">Rajons</a> um die Orte <a href="Tarbagatai_(Burjatien%2C_Tarbagataiski)" title="Tarbagatai (Burjatien, Tarbagataiski)">Tarbagatai</a>, <a href="Bitschura" title="Bitschura">Bitschura</a>, <a href="Muchorschibir" title="Muchorschibir">Muchorschibir</a> und <a href="Saigrajewo" title="Saigrajewo">Saigrajewo</a> in der <a href="Region_Transbaikalien" title="Region Transbaikalien">Region Transbaikalien</a> ansässig ist, lebte ursprünglich wahrscheinlich in <a href="Polen" title="Polen">Polen</a><sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>, bevor sie im 18. Jahrhundert nach Sibirien umgesiedelt wurde. In ihrer Sprache sind aber auch <a href="Ukrainische_Sprache" title="Ukrainische Sprache">ukrainische</a> und <a href="Belarussische_Sprache" title="Belarussische Sprache">belarussische</a> Einflüsse nachweisbar. Sie bewahrten sich ihre dörfliche Lebensweise in Großfamilien, erbauten in Burjatien neue Siedlungen und erhielten dort den Beinamen Semeiskije. Der Naturforscher und <a href="Geograph" title="Geograph">Geograph</a> <a href="Peter_Simon_Pallas" title="Peter Simon Pallas">Peter Simon Pallas</a>, sowie die Forschungsreisenden Alexei Iwanowitsch Martos<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> und <a href="Matwei_Matwejewitsch_Gedenstrom" class="mw-redirect" title="Matwei Matwejewitsch Gedenstrom">Matwei Matwejewitsch Gedenstrom</a> beschrieben die Semeiskije als erfolgreiche Siedler, die in gepflegten, bunt bemalten und mit aufwändigem Schnitzwerk dekorierten Häusern in attraktiven Dörfern lebten.
</p><p>In den 1930er Jahren wurden die Semeiskije, so wie die anderen Gruppen der Altgläubigen die in der <a href="Sowjetunion" title="Sowjetunion">Sowjetunion</a> lebten, vom Staat unterdrückt. Ihre religiösen Führer wurden inhaftiert und vertrieben, ihre Kirchen, <a href="Ikone" title="Ikone">Ikonen</a> und Schriften zerstört. Der traditionelle familiäre Lebensstil der Semeiskije führte jedoch auch zu einer relativ erfolgreichen Anpassung an die <a href="Kollektivierung" title="Kollektivierung">kollektive Landwirtschaft</a> und andere Anforderungen des sowjetischen Lebens. In den 1990er Jahren hatten sich die Semeiskije in einigen Teilen Transbaikaliens von einer religiösen Gruppe zu einer vorwiegend ethnischen Gruppe gewandelt, die Verbindung zwischen den Begriffen „Semeiskije“ und „Altgläubige“ war verloren gegangen.
</p><p>Der Kulturraum der Semeiskije ist seit 2008 in der <a href="Repr%C3%A4sentative_Liste_des_immateriellen_Kulturerbes_der_Menschheit" title="Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit">UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit</a> enthalten.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Mündliche_Kultur_der_Semeiskije"><span id="M.C3.BCndliche_Kultur_der_Semeiskije"></span>Mündliche Kultur der Semeiskije</h2></div>
<p>Die Grundzüge des Lebensstils der Semeiskije sind trotz der Wandlungen und Umbrüche des letzten Jahrhunderts erhalten geblieben. Der eigentliche Bedeutungsinhalt des geistlichen Lebens der Semeiskije ist die Bewahrung der religiösen und sozialen Ordnung in der Verbindung der Menschen mit Gott, der Natur und dem Leben der Vorfahren.
</p><p>Die traditionelle, über mehrere Jahrhunderte bewahrte <a href="Folklore" title="Folklore">Folklore</a> der Semeiskije, ihre Trachten, Bräuche, Erzählungen, Legenden, Gebete und vor allem die <a href="Polyphonie" title="Polyphonie">polyphonen</a> geistlichen Gesänge sind von besonderem kulturellen Wert und Interesse. Die anspruchsvolle, unverwechselbare Art ihres polyphonen Gesangs wird durch das hohe künstlerische Niveau der Darbietung zu einem leuchtenden und farbigen Gesamtkunstwerk. Die Gesänge drücken das Leiden und den Optimismus einer Gruppe von Menschen aus, die sowohl ihre Existenz, als auch ihre spirituelle und kulturelle Identität in harten Zeiten bewahrt haben.
</p><p>In jedem Dorf und in jeder Siedlung gibt es auch heute noch eine Gruppe älterer Frauen, die dafür Sorge tragen, dass die wichtigsten orthodoxen Rituale, Taufen, Begräbniszeremonien, die Gebete für die verstorbenen Eltern und Verwandten und die Segnungen vor bedeutenden Ereignissen in Leben der Gläubigen, nach überliefertem altem Brauch durchgeführt werden.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><div class="noresize noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Commons"></span></span></div><b><span class=""><a class="external text" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Semeiskie?uselang=de"><span lang="en">Commons</span>: Semeiskije</a></span></b>&nbsp;– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien</div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.russischer-chor.de/content/view/4/3/lang,de/">Deutsch-Russische Liedbrücke</a></li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.baikal.eastsib.ru/photography/oldbel/index.html">Fotos aus dem Kulturraum der Semeiskie</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Siehe_auch">Siehe auch</h2></div>
<ul><li><a href="Liste_christlicher_Gemeinschaften_in_Russland" title="Liste christlicher Gemeinschaften in Russland">Liste christlicher Gemeinschaften in Russland</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Wladislaw Andrejewitsch Ketkowitsch: <a rel="nofollow" class="external text" href="http://geo.1september.ru/articlef.php?ID=200302304"><i>Cемейские — староверы Забайкалья.</i></a> (russisch)</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Alexei Iwanowitsch Martos (* 1790; † 1842, Militärschriftsteller und Reisender in Sibirien): <i>Письма о Восточной Сибири</i>, Moskau 1827.</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text"><span class="cite"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://ich.unesco.org/en/RL/00017"><i>Cultural space and oral culture of the Semeiskie.</i></a> UNESCO Intangible Cultural Heritage, 2008,<span class="Abrufdatum"> abgerufen am 14.&nbsp;Januar 2024</span> (englisch).</span><span style="display: none;" class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Adc&amp;rfr_id=info%3Asid%2Fde.wikipedia.org%3ASemeiskije&amp;rft.title=Cultural+space+and+oral+culture+of+the+Semeiskie&amp;rft.description=Cultural+space+and+oral+culture+of+the+Semeiskie&amp;rft.identifier=https%3A%2F%2Fich.unesco.org%2Fen%2FRL%2F00017&amp;rft.publisher=UNESCO+Intangible+Cultural+Heritage&amp;rft.date=2008&amp;rft.language=en">&nbsp;</span></span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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